Hessen, anno domini 1461. Berthold Graychen ist ein junger Mann von gerade einmal sechzehn Jahren. Als Sohn eines Hübners im kleinen Örtchen Langen im südlichen Teil des Erzbistums Mainz hätte er eine sichere Zukunft vor sich, wenn nur diese geheimnisvolle Gabe nicht wäre, die ihn seit seinem Reitunfall als Kind regelmäßig heimsucht und ihm auch noch ein lahmes Bein beschert hat. Er kann seine Visionen und Ahnungen nicht deuten, ja ist ihnen ausgeliefert und erregt damit Aufsehen und Missgunst. Als er dann schließlich bei der Verbrennung seines Freundes, des lahmen Franz, unter Krämpfen und Wahnvorstellungen ohnmächtig zusammenbricht, erfährt sein Leben eine dramatische Wende. Berthold muss Hals über Kopf fliehen und alles zurücklassen, was ihm lieb und teuer ist: seine Familie, seine Zukunft und seine große Liebe Katharina.
Vogt Wolfram Etzelroth, der die Wildbann Dreieich mit harter Hand und stets zu seinem Vorteil regiert, nimmt diesen Vorfall zum Anlass, Berthold zu verfolgen, um ihn aus dem Weg zu räumen, so wie er es schon zuvor mit Franz getan hat, den er absichtlich und zu Unrecht der Hexerei bezichtigte. Wusste Franz vielleicht einfach nur zuviel? Berthold begreift erst langsam, warum er für den Vogt so wertvoll ist und dass auch dieser nur im Auftrag handelt. Es steht mehr auf dem Spiel als es den Anschein hat. Es gibt einen großen Plan. Doch wer steckt dahinter? Sicher ist nur, dass es um ein politisch hochbrisantes Komplott geht, in dem der Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Graf Diether von Ysenburg und sein Gegenspieler Graf Adolf III. von Nassau die Hauptrollen spielen und das beide Seiten schließlich in die Mainzer Stiftsfehde und den Kurpfälzischen Krieg um den Mainzer Bischofsstuhl führt.
Doch selbst die beiden Fürsten und ihre Verbündeten entpuppen sich nur als Marionetten einer weitaus höheren Macht, die im Verborgenen die Fäden in der Hand hält und den Papst hinter sich weiß. Wer sind die Lenker dieser Macht und wer bestimmt den Verlauf des Schicksals, das allgegenwärtig scheint und ein gnadenloses Spiel mit allen treibt? Was hat Nymandus, der geheimnisvolle und gnadenlose Schattenreiter damit zu tun, der immer wieder Bertholds Wege kreuzt und welche Rolle spielt der Schwan, dem Berthold in seinen Träumen immer wieder begegnet und der ihm rätselhafte Anweisungen erteilt?
Auf seiner mehr als zwei Jahre andauernden Flucht wird Berthold vom Schicksal an viele Orte geführt, wo er gute und schlechte Menschen kennen lernt, Gefahren und Abenteuer bestehen muss, geheimnisvolle Zeichen erhält, seine Kampfkunst verbessert, Gott in Frage stellt und schließlich die Reife eines erwachsenen Mannes erlangt. Auf seinem Weg trifft er Petz, den bärenstarken, hasenschartigen, aber auch höchst geheimnisvollen Knecht eines Freundes seines Vaters, der Berthold Freund und Mentor wird sowie den Prämonstratensermönch Augustein, der beide aus den Klauen der Inquisition rettet und dafür sein behütetes Leben als Diener Gottes aufgeben muss und mit ihnen flieht. Drei Männer, deren Herkunft und bisheriger Lebensweg unterschiedlicher nicht sein könnten, bilden eine verschworene Kameradschaft und trotzen gemeinsam den gefährlichsten Abenteuern. Jeder sucht seinen Weg und seine eigene Bestimmung, doch alle drei haben ein gemeinsames Ziel, nämlich das Böse abzuwenden und die Wahrheit zu finden.
Doch, ob sie dieses Ziel erreichen, das liegt nicht nur in ihrer Hand. Die Antwort kennt nur das Schicksal und das ist - so viel hat Berthold schnell begriffen - launisch wie ein altes Weib...
